Hunderte von gelben Fahnen mit dem Portrait des Parteiführers Öcalan prägten das Erscheinungsbild der Demonstration. Nur vereinzelt wurde die kurdische Nationalfahne geschwenkt. Allerdings begleiteten zwei Instrumentalgruppen den Zug und sorgten für die unaufgeregte Stimmung. Dabei wurde immer wieder „APO“ Öcalans Freiheit gefordert, Erdogan mit Saddam Hussein verglichen und der türkische Staat als „faschistisch“ dargestellt.

Der Zug endete an einem wichtigen Denkmal in Hannover- den Bronzestauen der „Göttinger Sieben“, in unmittelbarer  Nähe des Niedersächsichen Landesparlaments.  Die Göttinger Sieben waren eine Gruppe von Professoren, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten und deshalb entlassen sowie teilweise des Landes verwiesen wurden. Unter ihnen gab es auch die Gebrüder Grimm, die die deutschen Märchen der vergangenen 1000 Jahre zusammen getragen hatten. Göttingen war damals die wichtigste Universität im Königreich Hannover.

Von „Deutschland“ war übrigens damals nur in Studentenkreisen die Rede – es existierte staatlich noch gar nicht, sondern war aufgeteilt in viele kleine selbständige Fürstentümer.  Dies als Hinweis, wie schnell sich nationale Grenzen und Staaten bilden und wieder vergehen können. Den meisten Demonstranten war dieser Zusammenhang sicher nicht bewußt.

Als deutscher Sympathisant mit der kurdischen Sache blieb man angesichts der Reden vor diesem Denkmal allerdings allein - sie wurden alle in „kurmandschi“ gehalten. Die Gedanken gingen daher an die aktuelle Rolle der türkischen Intellektuellen, Studenten und Universitätsprofessoren: Wie stark ist ihr Friedenswille und ihr Protest gegen vermeintliche militärische Lösungen in den kurdischen Regionen?

Wird von ihnen ein Wort des Protestes gegen das Wiederaufflammen des Bürgerkrieges und gegen einen völkerrechtswidrigen Kriegsfeldzug in den Irak zu hören sein- auch dann noch, wo doch das türkische Parlament eine Intervention rechtlich ermöglichte?

1 2 3 4